Gesammelte Geschichten

...gehört von Menschen, die uns ihre Gegenstände mitgebracht und übergeben haben...

Marc, Musiker und Bandleader
LP von Adriano Celentano, die er als Abschiedsgeschenk von seinen Bandmitgliedern bekommen hatte. Die Band setzte sich zusammen aus Amateurmusiker: innen im Rentenalter, die ihre Freude am Musizieren auskosteten.

Sarah, Religionslehrerin                                Schüler:innen an haben einen Baum gestaltet und mit Zetteln voller Wünsche behängt im Rahmen eines Unterrichtsprojektes. Nun sind die Zettel wieder frei und Sarah findet, dass diese Wunschzettel ihre Wirkung an einem neuen Ort entfalten können. Darum hat sie die Zettel mitgebracht

Marlis, ehem. Verkäuferin in einem Haushaltfachgeschäft      Sie bringt ein Lochteesieb aus Chromstahl. Davon hat sie zwei Stück  und braucht für sich nur eines. Als ehemalige Verkäuferin hat sie ein grosses Fachwissen. Sie berichtet, dass es Lochsiebe oder auch geflochtene Teesiebe gibt und zwar in qualitativ guter Chromstahlausführung, die Spülmaschinen fest sind; günstigere Ausführungen sind aus Aluminium oder Plastik. Auch erzählt sie, dass es in ihrer Berufszeit immer wichtiger wurde, dass Haushaltsgegenstände Spülmaschinen fest sind. Ausgenommen davon sind zB. Holzgriffe. Die sollten immer von Hand gereinigt werden. Sie erzählt von Garantiefällen, die immer mehr wurden, weil trotz Hinweisen die Geräte in Spülmaschinen gereinigt wurden. Ihr Fachgeschäft hätte sich dann ihren Kund:innen gegenüber trotzdem immer wieder kulant gezeigt – speziell, wenn es sich um ein Aussteuerservice gehandelt habe.                                            Weiter berichtet Marlis, dass sie auch noch eine  wunderschöne Zuckerzange aus Chromstahl hat, die sie nicht mehr braucht. Wenn ihre Tochter einverstanden ist, wird sie diese dann für die Installation zur Verfügung stellen.

Übrigens: das Teesieb findet an diesem Nachmittag direkt eine neue Besitzerin und wird darum nicht in die Installation einbaut werden. Wie schön, dass es weiterhin genutzt wird und Freude macht.

Erika, ehemalige Bergsteigerin und Weltreisende              Sie hat Reisesouvenirs aus Peru mitgebracht, war daheim kurz im «Chämmerli» und hat ein Gefäss aus Kürbis, zwei Rasseln und ein kleines bemaltes Schränklein dabei, dessen Türen sich öffnen lassen und ein überraschendes Innenleben zeigen. Sie reiste damals mit einer Gruppe nach Peru, als einzige Spanisch sprechend, wo sie den zweithöchsten Berg Peru’s bestiegen. Von dort oben und überhaut auf ihren Reisen hatte sie einen «Blick in eine andere Welt». Das rote Schränklein zeigt eine Frau und einen Mann in ihrem Hutladen, an der Decke ist ein Condor, das Nationaltier der Anden, welcher nach unten schaut. Das Schränklein ist für Erika auch ein Symbol für den Blick in eine andere Welt, dessen Türen geöffnet und geschlossen werden können. In Peru tragen übrigens Frauen Hüte und Männer Kappen. Heute engagiert sich Erika in der Schreibwerkstatt im Romerohaus. «Filme, die im Kopf abgehen» verwandelt sie so in Worte.

Erika’s Version: Peru, Peru, so spinnst nur du. So hiess es bevor wir ins Flugzeug stiegen. Wir waren zu viert. Ich war willkommen, weil die andern mich brauchten, um für sie spanisch und englisch zu sprechen. Wir waren vier Bergsteiger:innen, d.h. drei Bergsteiger:innen und ich – ein Bergsteigerlein. Wir fuhren und trekkten zuerst durchs Land, bevor wir den Nevada Pisco besteigen wollten. Eines Morgens krochen wir aus den zelten, packten Pickel und Steigeisen ein und machten uns auf den Anstieg. Die anderen drei waren schon bald voraus, ich kroch hinterher, zusammen mit dem Bergführer. Ach, diese Höhe, ein Schritt nachdem anderen, Dem Bergführer wurde es zu langweilig, er liess mich alleine hinten nach kriechen. Endlich oben, welche Freude. Nein – keine Freude, Tränen, Tränen. Nur um oben zu weinen habe ich mich da hinauf geschleppt. Nie wieder.

Jetzt bin ich in einem Dorf. Ich kann umherschlendern wie ich will, mir alles angucken. Da, ein lustiger Hutladen. Hutläden gibt es auch in echt, denn alle Frauen trage Hüte. Ich kaufe mir ein Hutlädeli. So komme ich gut behütet wieder nach Hause.

Brigitte, Fachperson für Migration & Integration              Nach mehreren erfolglosen Versuchen, den Nespressokapselhalter weiterzugeben, warf sie diesen in den Abfall. Doch, dann holte sie ihn wieder heraus, um ihn uns mit der folgenden Geschichte mitzubringen – einer Nachbarschaftsgeschichte.                In ihrer Familie wird «Chrüeglikaffee» getrunken. Das schmeckte Thomas, ihrem Sohn nicht wirklich gut. Die freundlichen Nachbarn hatten eine Kaffeemaschine, was Thomas viel besser schmeckte. So ging er also über längere Zeit jeweils schon am Morgen vor der Schule, noch im Pyjama, zum Kaffeetrinken zu den Nachbarn; ein selbstverständliches Tun für beide Seiten. Als Thomas dann in die Lehre kam und am Morgen sehr früh weg gehen musste, beschloss die Familie für Thomas eine eigene Nespressomaschine zu kaufen, damit er seinen Lieblingskaffee zu Hause trinken konnte. Heute wohnt Thomas nicht mehr zu Hause und die Familie trinkt immer noch lieber den «Chrüeglikaffee». So brauchen sie weder die Nespressomaschine noch Kapselhalter weiter.                                                      Also wäre der Halter ein Mitbringsel für die Installation, dachte Brigitte, wenn da nicht Marlis wäre, die diesen Halter gerne weiterverwenden möchte, um ihre Morgen- und Abendkaffeekapseln praktisch und handlich versorgen zu können. Beide Frauen freuen sich über diese Weitergabe.

Martin                                                          Ich stieg hoch in den Estrich, ganz oben unter dem Dach. Überall Spinnweben, Dunkel und gruselig war es, auch das Licht ging nicht. Schon lange war niemand hier. Gespenster, Geister? Gibt es die hier?                                              Zum Glück fand ich eine Lampe, die hell leuchtete….und alle Geister vertrieb. Jetzt gebe ich die Lampe gerne weiter, denn die Geister in unserem Estrich sind jetzt weg.

Silke                                                          Wie schön ist es in den Winterferien mit Schnee zum Erholen, bis zum Moment als Ruedi, der Nachbar anrief und mitteilte, dass in ihrem Haus daheim eingebrochen worden sei. Die Polizei inklusive Spurensicherung waren da. Welche Aufregung.          Wie machen sie das, wenn sie das nächste mal verreisen wollen? Sie müssen aufrüsten und konsultieren das Internet, ob sich da was findet, was mögliche Einbrecher:innen abschrecken könnte. Im Angebot ist da ein «Fake-TV» – klein und praktisch und einfach in der Anwendung: nur in die Steckdose einstecken und das Gerät spielt ein Zufallsprogramm ab mit blauem Schein, wie beim Fernsehen. Gekauft wurde es und benutzt beim nächsten Urlaub. Ruedi meinte, jede:r Einbrecher:in merke sofort, dass das ein Fake sei. Also versorgte Silke den Fake-TV wieder in die Originalverpackung – bis heute, wo sie ihn mitbringt für den Einbau in die Installation.

Susi: Leidenschaftliche Reiterin, die diese Leidenschaft genetisch an ihre Tochter weitergegeben hat.                Sporen für Westernreiten: heute brauchen die beiden dies nicht mehr und darum bringt Susi diese zum Verbauen in die Installation.

Ruth, Schwägerin des Künstlers Buob                            Die Geschichte vom Loslassen. Sie bringt ein Bild von ihrem Schwager. Der Künstler hat während seines langen Lebens viel gemalt und gezeichnet. Seine Familie teilt nun mit uns allen ein Bild.                                                      Das Loslassen ist gelungen und so findet sich nun das Bild in der Installation.

Elisabeth                                             Niki de Saint Phalle-Figur: ein Geschenk vom Arbeitskollegen zur Pensionierung. Er sagte damals: «mit den besten Wünschen, dass du so ideenreich und aktiv bleibst».

Anna und Lynn                                                  Wir haben dem Flugzeug Flügel verliehen.

Rolf                                                            Ein Statement zum heutigen 8. März und zur Ausgewogenheit:    Die «schöne Dame mit Masche und den starken, einarmigen Ken mit Sporen.

I.B.                                                        Diese Marmeln schupste ich als Kind am runden Holztisch mit Rille oft rundum – und dies am liebsten neben meinen schlafenden Eltern. Sie konnten dabei scheinbar tief schlafen…. Nun freue ich mich über die so farbigen, schönen Kügeli und gebe sie weiter….gute Reise!

Wandbehang: einst das Hochzeitsgeschenk einer Mädchen Schulklasse an ihre Turnlehrerin (meine Mutter). Beim Räumen vor dem zügeln ist mir dieses Kunstwerk wieder in die Hände geraten. Es wurde aufbewahrt mit dem Vermerk «WERTVOLL». Dieses Werk gebe ich nun weiter. Es soll Freude bereiten und staunen lassen…und mir wieder begegnen?!

Anonym                                                    Skistöcke, Gamaschen,Schneeschaufel und Baryvox

Damals hat es noch viele altmodische Gamaschen gegeben…

Vorwärts gleiten, Halt finden, höher steigen…

Zum Glück nur zu Übungszwecken und Schneehüttenbauen gebraucht…

Kathrin                                                      Sie bringt uns den Leuchthasen, denn der hat seinen Dienst bei ihrer Tochter im Kinderzimmer getan. Heute zählt der Hase nicht unbedingt mehr zu den Lieblingstieren ihrer Tochter – und eigentlich ist sie ja inzwischen aus dem „Alter herausgewachsen“. So hat der Hase neu die Übersicht von hoch oben auf der Installation.

Martin, Künstler und Erwachsenenbilder                        Er besitzt zwei Rasierpinsel. Das ist nicht nötig. Er gibt den einen gerne weiter.                                            Im jungen Erwachsenenalter beginnt der Bart zu spriessen. Welche Vorbilder hat Mann zur Bartpflege? Den Vater, die Werbung, Freunde? Wem will Mann nacheifern? Soll ich elektrisch oder nass rasieren? Nass rasieren ist die Entscheidung, denn der Freund machts auch so. Ein Dachshaarpinsel wird gekauft und genutzt. Der hält dann dank guter Qualität und Pflege lange Jahre und irgendwann kommt ein neuer Pinsel dazu und so ist einer nun frei für die Installation.

Roswitha, Künstlerin                                          Ein überraschendes Weihnachtsgeschenk kommt von der Tochter und der Familie: ein neuer Plattenspieler. Wunderbar! So einen hatte sie doch früher schon. Vor einigen Jahren wurde alles weggegeben: von Geräten über LPs, einigen CDs zu Kassetten. Neu war «streamen» angesagt.                                      Die Freude über den neuen Plattenspieler war jetzt aber gross und bedeutete nun, dass wieder ein Verstärker und LPs gefunden werden mussten. Alles passt auch zum neuen Denken «back to the roots» im Musikhören. Stöbern in Secondhand-Plattenläden und wieder entdecken von bekannten und unbekannten LPs. Durchstöbern und Wiederhören von lange ungenutzt gelagerten CDs. Letzte Woche nun kam die LP von Tom Waits in die Sammlung – und oh lala, die ist ja auch als CD vorhanden. Das braucht es nicht. So ist also diese CD als «Einbauteil» für die Installation dazugekommen.